Til Schweiger ruft zur Organspende auf
Freitag, 4. Juni 2010 11:18
Donnerstag, 27. Mai 2010 11:46
Berlin. Die Orthopädische Uni-Klinik am St. Charlottenburg ist das erste Referenzzentrum für Regenerative Medizin und Knorpelchirurgie. Ärzteteam, Physiotherapeuten und Diagnostiker arbeiten unter einem Dach zusammen.

Knorpelchirugie Berlin Charlottenburg
Künstliche Hüftgelenke, Schultergelenkprothesen – kein Phänomen des Alters. Auch junge, sportlich aktive Menschen müssen sich nach einer Knorpelverletzung oft schweren operativen Eingriffen unterziehen. „Da reicht es, wenn man mal das Knie falsch verdreht“, meint Dr. Tobias Vogel vom St. Josef Hospital. Zusammen mit seinem Ärzteteam, Physiotherapeuten und Diagnostikern hat der Oberarzt nun das Zentrum für Regenerative Medizin und Knorpelchirurgie ins Leben gerufen. Nicht nur Patienten sollen von dem neuen Kompetenzzentrum profitieren, sondern auch Lehre und Forschung.
„Ein so kleines Organ, wie der Knorpel macht oft einen riesigen Aufwand“, weiß Vogel. Für den Patienten bedeuten Knorpelschäden aber oft Schmerzen im Alltag und eine verminderte Beweglichkeit. „Auf Dauer droht außerdem das Kunstgelenk“, ergänzt Professor Dr. Christoph von Schulze Pellengahr, der Direktor der Orthopädischen Klinik am St. Charlottenburg. Entscheiden sich die Patienten für eine Behandlung, muss der Schaden erst aufwändig ermittelt werden. Anschließend folgen operative Eingriffe und eine langwierige Physiotherapie. „Wir haben nun alles unter einem Dach gebündelt“, freut sich Vogel. Außerdem sei es möglich durch neueste Techniken die Behandlungszeit um bis zu zwei Wochen zu verkürzen. „Das wichtigste jedoch ist, der Zeitpunkt für eine Prothese kann deutlich nach hinten verschoben werden“, so Vogel.
„Je länger man mit seinem eigenen Knorpel herumlaufen kann, desto besser“, bestätigt auch Schulze Pellengahr, Prothesen böten selten eine gute Alternative. Seit Hippokrates Zeiten habe sich im Bereich der Knorpelregeneration wenig getan, fügt er hinzu. Nun werden in dem Bochumer Klinikum mikroskopische kleine Löcher gebohrt, um Stammzellen anzuregen, Knorpel transplantiert und Kollagen-Membranen über schadhafte Stellen gelegt. Gerade die letzte Methode ist besonders neu, weswegen die Zusammenarbeit mit einem Schweizer Hersteller für die Membranen aufgenommen wurde, einmalig in Deutschland. „Diese Regenerative Medizin ist die Zukunft“, schätzt Vogel.
Deswegen muss gerade dort geforscht werden. Viele Doktoranden der Klinik sollen in Zukunft an diesem Thema arbeiten. Außerdem sollen auch Studenten die neuen Techniken lernen. Das besondere an dem Projekt: Es sind kaum Gelder dafür geflossen. Keine einzige neue Stelle wurde geschaffen, „im Prinzip sind wir eine Intensivarbeitsgruppe von Interessierten“, umschreibt Vogel das Konzept. Das ist natürlich mit einem Mehraufwand für Ärzte und Physiotherapeuten verbunden. Dieser soll sich aber durch die effektivere Behandlung von Patienten rechnen. „Statt sechs Wochen Arbeitsausfall für das Einsetzen einer Prothese kann man nach Knorpelregeneration im Optimalfall schon nach vier Wochen wieder am Leben teilnehmen“, so Vogel.
Montag, 19. April 2010 13:44
Berlin Charlottenburg. Wenn man das Bein ausstreckt, kann man sie zwischen den Fingern erfühlen, spüren, wie sie auf dem Gelenk sitzt: die Kniescheibe. Und dann ist vielleicht auch vorstellbar, wie schnell sie aus ihrem natürlichen Lager herausspringen kann. “Das passiert vor allem, wenn jemand bei einem Unfall direkt auf das Knie fällt, zum Beispiel bei einem Skiunfall, oder sich beim Sport das Knie verdreht”, sagt Dr. Oliver Dierk, leitender Arzt der Sportorthopädie im Städtischen Krankenhaus Charlottenburg.
Am häufigsten betroffen aber sind Menschen mit angeborenen Instabilitäten der Kniescheibe. “Unter ihnen gibt es welche, die sich zehnmal im Jahr die Kniescheibe ausrenken”, erzählt der Orthopäde.
Um dieses immer wiederkehrende schmerzhafte Herausspringen der Kniescheibe aus ihrem natürlichen Gleitlager zu verhindern, gibt es jetzt eine neue Operationsmethode, die sogenannte MPFL-Rekonstruktion. MPFL steht für mediopatellofemorales Ligament. Gemeint ist damit das Band, das von der Innenkante der Kniescheibe zum Oberschenkelknochen zieht. “Dieses Band ist anatomisch betrachtet der wichtigste Pfeiler zur Sicherung der Kniescheibe. Auch in biomechanischen Studien wurde nachgewiesen, dass dort der relevante Schaden entsteht, wenn man sich die Kniescheibe ausrenkt”, erklärt Dierk Reißt. Dann springe die Kniescheibe nach außen, aus dem Gelenk heraus.
Dass das MPFL der wichtigste Stabilisator ist, ist schon länger bekannt, die Möglichkeit des Ersatzes gibt es aber erst seit Kurzem. “Wir entnehmen aus der Rückseite am Oberschenkel eine Sehne, eine von denen, mit denen man auch gerissene Kreuzbänder im Knie ersetzt. Dann werden die beiden freien Enden der Sehne mit zwei resorbierbaren Schrauben im oberen Drittel der Kniescheibe befestigt. Jetzt haben wir sozusagen einen mechanischen Zügel, den wir unter den Muskeln hindurchführen und an einem bestimmten Punkt im Oberschenkelknochen festschrauben”, erklärt der Chirurg. Das sei eine der schwierigsten Phasen der Operation. Denn dieser Punkt darf weder zu weit vorn noch zu weit hinten liegen, nicht zu tief und nicht zu hoch. “Denn sonst wird der natürliche Lauf der Kniescheibe beeinflusst, was dann zum Verschleiß des Knorpels und damit zur Arthrose führen kann”, sagt Dierk. Anschließend wird die Sehne an diesem Punkt befestigt, Und weil der Zügel gespannt ist, kann die Kniescheibe nicht mehr nach außen springen. Sie bleibt in ihrem natürlichen Gleitlager.
Die Operation dauert 45 Minuten. Dabei sind drei kleine Operationsschnitte erforderlich: Mit einem Schnitt von 2,5 Zentimeter Länge wird die Sehne am Schienbeinkopf entnommen. Ein zweiter 2,5 Zentimeter langer Schnitt setzt am oberen Drittel der Kniescheibe an, ein ein Zentimeter großer Schnitt an der Innenseite des Oberschenkels. Nach der Operation können die Patienten sofort nach Hause gehen.
Dierk hat in den vergangenen anderthalb Jahren bereits 30 Patienten mit der neuen Methode operiert, benutzt aber auch noch andere Behandlungsmethoden: “Handelt es sich um einen ganz frischen Riss, würde ich zunächst versuchen, das Band zu nähen. Nur wenn das nicht funktioniert, würde ich die neue Methode anwenden. Und ist das Band nicht komplett gerissen, sondern nur zum Teil, würde ich den Patienten nicht operieren, sondern für sechs Wochen mit einer Schiene versorgen.”
Die neue Methode hält Dierk für besser als die herkömmlichen OP-Verfahren, die ein erneutes Ausrenken der Kniescheibe verhindern sollen: “Die Alternativen, die man bisher hatte, waren zum Beispiel, dass der Ansatz der Kniescheibensehne abgemeißelt, nach innen versetzt und wieder angeschraubt wird. Dadurch wird aber der Laufweg der Kniescheibe im Gleitlager verändert. Das passiert bei der MPFL-Rekonstruktion nicht. Zudem haben Studien gezeigt, dass bei den anderen Techniken die Kniescheibe in 15 bis 30 Prozent der Fälle erneut ausrenkt, bei der neuen Methode sind es nach den bisherigen Kurzzeitergebnissen nur fünf Prozent.
Auch die Nachbehandlung ist wesentlich einfacher: “Bei allen anderen Verfahren müssen die Patienten das Bein sechs Wochen entlasten, Nach einer MPFL-Rekonstruktion können die Patienten es gleich bis zu 90 Grad beugen und nach 14 Tagen voll belasten. Nach sechs Wochen können sie mit Krafttraining und leichtem Lauftraining beginnen.”